Prüfadapter für bestückte elektronische Flachbaugruppen, Module und Hybride
Elektronische Flachbaugruppen, Module und Hybride lassen sich bis heute und leider auch in Zukunft nicht fehlerfrei fertigen. Sie müssen also zu hundert Prozent getestet werden. Dabei unterscheiden wir grob zwei Testverfahren, nämlich den Incircuittest und den Funktionstest.
Der Incircuittest prüft, ob Kurzschlüsse oder Unterbrechungen von Leiterbahnen bestehen und ob jedes Bauteil mit richtigem Wert in der richtigen Richtung am richtigen Platz und einwandfrei gelötet ist. Für die Kontaktierung des Prüflings benötigt man daher einen Prüfadapter, der alle Netze (Leiterbahnzüge) sicher kontaktieren kann. Dabei sind folgende Probleme zu erwarten: Die Baugruppe muss prüffähig sein. Dazu muss auf jedem Leiterbahnzug, besonders im SMD-Bereich, eine Prüffläche vorgeplant werden, die trotz Streuungen bzw. Fertigungsfehlern der Leiterplattenhersteller einen sicheren Kontakt zulässt. Bei der Leiterplattenfertigung können nämlich bei typisch beidseitig bestückten Baugruppen von 10 x 10 cm Größe durchaus Abweichungen von bis zu 250 µ ± in beiden Achsen auftreten. Erst wenn diese Maße überschritten werden, wird der Leiterplattenhersteller ersatzpflichtig. Dieser Fehler verdoppelt sich bei 20 x 20 cm bzw. verdreifacht sich bei 30 x 30 cm großen Baugruppen. Die Prüfflächen für die Kontaktierung müssen also entsprechend groß gewählt werden, um auch die Abweichungen, die im Extremfall entstehen können, noch sicher abzudecken.
Nach der Wahl der Stifte und deren Kopfformen sollte jetzt besonders auf das Konzept des Adapters geachtet werden.
Prüfadapter
Es gibt verschiedenartige Konstruktionen, die historisch bedingt sind, aber auch nach Kosten, sicherheitsmäßig und auch aufgabenbedingt eingesetzt werden können. Der Vakuumadapter ist ein Prüfadapter, der seit den frühen Tagen des Incircuittests im Einsatz ist und jetzt über fast 3 Jahrzehnte verwendet wird. Sein Vorteil liegt in der freien Zugänglichkeit der Bauteilseite, was nachträgliche optische, aber auch messmäßige Aufgaben zulässt. Seine Nachteile jedoch haben in den letzten Jahren gegenüber den Niederhalterkonzepten überwogen: Da sind der ca. 5- bis 10-fach höhere Erstellungspreis und die Vakuumerzeugung durch sehr geräuschintensive Pumpen, die regelmäßige Wartung erfordern und geruchsmäßig unangenehm auffallen. Das Rohrnetz für die Vakuumerzeugung und der Zusatztank verursachen hohe Kosten und meist muss dafür eigens ein separater Raum zur Verfügung gestellt werden. Die Abdichtung zwischen Leiterplatte und Adapter durch Dichtungslippen wird gerade bei den bizarren Leiterplattenformen, die heute entstehen, teuer und aufwändig. Das gilt auch für die vielen Durchbrüche und nicht zugelöteten Durchkontaktierungen der zu testenden Flachbaugruppen. Sie erhöhen die Adapterkosten und stellen damit die Funktionssicherheit in Frage. Durch die UV-Strahlung verhärten sich die Dichtlippen im Laufe der Zeit. Dadurch wird die sichere Adaptierung erschwert oder unmöglich. Die mit hoher Geschwindigkeit vorbeiströmende Luft führt Staub und Abriebpartikel an den Prüfstiften vorbei, was die Lebensdauer der Prüfstifte um ca. 50 % reduziert. Durch die Verwendung von Probes für den SMD-Lötfehlertest von Fine Pitch-ICs oder Ball Grid Arrays, für den Polaritätstest oder den Temperaturtest wird die freie Zugänglichkeit von oben völlig blockiert. Damit ist auch der letzte Vorteil des Vakuumadapters nicht mehr gegeben.
Adapter nach dem Niederhalterprinzip
Manueller Prüfadapter
Pneumatikadapter
Unser Pneumatikadapter Typ 40A verwendet die gleichen Adapterschubladen wie die Typen 42 und kontaktiert damit sogar bis zu 900 Nadeln (1.5 N). Der Zweistufenadapter lässt sich für den Incircuit- und einen nachfolgenden Funktionstest optimal einsetzen, da die reinen Incircuitprüfstifte im nachfolgenden Funktionstest die Schaltung nicht mehr beeinflussen, da sie durch die zweite Stufe vom zu testenden Objekt getrennt werden. Alle Adapter der 40er Typenreihe können im geschlossenen Zustand über ein Scharnier hochgeklappt werden. Der untere Teil der Prüfstifte ist dann zugänglich für Messaufgaben zum Einmessen des Prüfprozesses.
Kleinadapter für Aufgaben bis 170 x 150 mm
Incircuittest kombiniert mit Funktionstest Aus wirtschaftlichen Gründen ist es sinnvoll, den Incircuittest mit dem nachfolgenden Funktionstest durchzuführen. Unsere Testsysteme sind daher für den kombinierten Incircuit- und Funktionstest einsetzbar. Bei etwa 60 bis 70 % aller Baugruppen ist das problemlos möglich. Bei etwa 20 % wird ein Zweistufenadapter notwendig (Adapter Typ 40) und beim verbleibenden Rest, meist Hochfrequenzbaugruppen, ist für den Funktionstest ein separater Adapter notwendig, dher rein mit Hochfrequenzverbindungen die Kontaktierung übernimmt.
Funktionstestadapter
Der Funktionstest wird meist nur unter Zuhilfenahme der Steckerleisten vorgenommen. Der Funktionstester legt dann die notwendigen Stromversorgungen und Signale an, sodass die Ausgangssignale überprüft werden können. Die Unterteile der Adapter der Serien 40 und 20 können auch für den Funktionstest eingesetzt werden. Da sie ebenfalls mit Schubladen bestückt sind, werden nur die Wechselplatten für den Funktionstest eingesetzt, um die Funktionsprüfung durchzuführen. Bei beiden Typen sind dazu die Niederhalter entfernt worden, da sie während des Funktionstestes, der über die Anschlusssteckerleisten erfolgt, nicht mehr notwendig sind.
Funktionstest mit Clustertesterweiterung
Das große Problem des Funktionstest ist, dass die Fehlerortung nahezu unmöglich ist, da zwischen Anlegen eines Signales und dem Abmessen des Signales durchaus bis zu 50 Bauelemente liegen können. Im Fehlerfall lassen sie keine Isolierung des defekten Bauelementes zu. Dann wird eine Kombination aus Funktions- und Clustertest angewendet, die die Strecke von z.B. 50 Bauelementen in mehrere Cluster aufteilt, was eine wesentlich bessere Fehlerisolierung ermöglicht. Der Anschluss dieses Clusters kann über Teststecker, aber auch über Prüfstifte erfolgen. Dazu wird ein Niederhalteradapter verwendet, da ein Großteil der Anschlüsse über gefederte Kontaktstifte und nur ein Rest über die Anschlussleisten erfolgt. Der Funktionstest kann jedoch nach einem erfolgreichen Incircuittest wesentlich vereinfacht werden, sodass der Clustertest nicht mehr notwendig ist. Bei den Schubladen für den Funktionstest werden die Steckerleisten so montiert, dass sie um 90 ° hochgeklappt werden können. Man kann also die Baugruppe aufstellen, sodass die Lötseite sichtbar ist, um dort im Fehlerfall Messaufgaben durchführen zu können.
Funktionstestmodule
Wirtschaftliche Adaptererstellung
Für all unsere Prüfadapter der 20er, 40er und 50er Serie haben wir ein Adaptererstellungssystem entwickelt, mit dem die Prüfadapter, aber auch die Niederhalter (Wechselschubladen) nahezu vollautomatisch erstellt werden. Die Software nutzt die Gerberdaten, die allgemein zur Erstellung der Leiterplatte gebraucht werden. Sie dient einmal zur Berechnung des Bohrplanes, einschließlich der Fangstifte und der Führungsbleche, um den Prüfling einfach und problemlos einlegen und über die Fangstifte sicher kontaktieren zu können. Über denselben Prozess wird die Niederhalterplatte gebohrt, die Bohrungen für die Probes für den Lötfehlertest oder den Polaritätstest oder auch Temperaturprobes enthält. Als zweites erstellt sie die grafische Fehlerortung, um Fehler auf dem Bildschirm grafisch darzustellen. Dazu gehört die Darstellung von Pinkontaktfehlern, Kurzschlüssen zwischen zwei Leiterbahnen, SMD-Lötfehlern mit grafischer Anzeige des oder der entsprechenden Anschlusspunkte an Fine Pitch LSIs genauso wie an BGAs, Polaritätsanzeige von Elektrolytkondensatoren und Tantalchips sowie das Setzen der Fadenkreuze für Defekte an Bauelementen wie Widerständen, Kondensatoren, Induktivitäten, Optokoppler, Transistoren, ICs, FETs usw. Das Prüfadaptererstellungssystem nutzt die Resultate der Gerberdatenaufbereitungssoftware, um die Adapterplatte (Schublade) zu bohren. Dann werden die Prüfstifte inkl. Hülse mit höchster Präzision mit maximal 2-3 hundertstel Abweichung eingedrückt. Zwei Magazine können dafür mit unterschiedlichen Kopfformen bestückt werden. Anhand des verwendeten D-Codes werden die Kopfformen für Speer oder Krone vorgewählt und vollautomatisch eingesetzt.
Verdrahtung des Prüfadapters Die gefederten Kontaktstifte befinden sich in einer Hülse mit einem 0,63 x 0,63 mm-Wrap-Pfosten, der über ein manuelles WireWrap-Verfahren mit den Anschlusssteckern des Prüfadapters verbunden wird. Bei Incircuittestaufgaben kann die freie Verdrahtung gewählt werden. Wir können dabei Steckerleisten verwenden, die auf der einen Seite bereits mit Wrap-Drähten versehen sind, sodass wir nur noch die offenen Enden dieser Drähte mit beliebigen Stiften verbinden müssen. Dieser Prozess kann selbst bei komplexen Adaptern in wenigen Stunden erfolgen.
Da wir mit diesem System bereits seit 1990 Erfahrung gesammelt haben, können wir sagen, dass komplette Prüfadapter mit typisch 300 Nadeln inkl. Fangstifte und Führungsbleche in 3 bis 5 Stunden erstellt werden können. Die Kosten und die Zeit für die Adaptererstellung wurden also auf Bruchteile der bisher üblichen Kosten reduziert. Die typischen Durchschnittswerte liegen bei einem Zehntel der Zeit und der bisherigen Kosten.
Aus den Erklärungen und Beschreibungen lässt sich ablesen, dass wir wie bei unseren Testsystemprodukten auch bei unseren Adaptern großes Augenmerk auf geringe Unterhalts- und Wiederholungskosten legen. Wir entwickeln und produzieren von Praktikern für Praktiker und mehr als 1000 Adapter mit über 20.000 Adaptionen geben uns recht.
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© 12.07.2002